Darmsanierung

Der Darm ist eines der faszinierendsten Organe des menschlichen Körpers – und eines, das lange unterschätzt wurde. Inzwischen zeigt die Forschung immer deutlicher, wie eng Darmgesundheit, Immunsystem, Stoffwechsel und psychisches Wohlbefinden miteinander zusammenhängen. Eine Darmsanierung setzt genau hier an – an einem der zentralsten Systeme unseres Körpers. In der Naturheilkunde ist das kein neues Wissen: Bereits Hippokrates maß dem Darm eine zentrale Rolle für die Gesundheit des ganzen Menschen bei. Er prägte den Satz: „Der Tod sitzt im Darm“.

Was leistet der Darm?

Um den Zusammenhang zwischen Erkrankungen wie Allergien, Hautbeschwerden, neurologischen Symptomen und dem Darm zu verstehen, muss man sich angucken was der Darm alles so leistet. Der Darm ist weit mehr als ein Verdauungsorgan. Ausgeklappt käme er auf eine Fläche von etwa 400 m² – fast zwei Tennisplätze. Zum Vergleich: die Lunge kommt auf 100qm, die Haut auf 2qm.

Er ist verantwortlich dafür, dass Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen werden können, und beherbergt gleichzeitig den größten Teil unseres Immunsystems. Damit wir adäquat (d.h. weder zu stark noch zu wenig) auf Reize von Außen reagieren, braucht es einen gesunden Darm. Zwei Strukturen spielen dabei eine zentrale Rolle: die Darmschleimhaut und das Darmmikrobiom.

Die Darmschleimhaut

Die Darmschleimhaut kleidet den Darm von innen aus und bildet eine selektive Schutzbarriere. Im gesunden Zustand lässt sie nur das passieren, was der Körper braucht: die Nährstoffe. Wird sie durch Entzündungen oder andere Einflüsse beeinträchtigt, kann die Barrierefunktion gestört werden – ein Zustand, der unter dem Begriff „Leaky-Gut-Syndrom“ diskutiert wird.

Das Darmmikrobiom

Das Mikrobiom – umgangssprachlich auch Darmflora genannt- ist die Gesamtheit aller im Darm lebenden Bakterien . Es beeinflusst Stoffwechsel, Immunreaktionen und über die Darm-Hirn-Achse auch unser Nervensystem. Je vielfältiger das Mikrobiom, desto stabiler ist in der Regel seine Schutzfunktion. 

Wenn wir auf die Welt kommen ist unser Darm steril, d.h. es befinden sich keinerlei Bakterien in ihm. Das ändert sich aber –zum Glück- bereits bei der Geburt. Die ersten Bakterien mit denen wir normalerweise in Kontakt kommen, stammen von unserer Mutter und dann aus der Muttermilch. Das ist auch gut so, denn ohne Bakterien in unserem Darm würden wir nicht lange überleben. Einerseits setzten sie sich auf die Darmschleimhaut und beschützen diese. Andererseits trainieren sie unser Immunsystem und bringen ihm bei, was es können muss um gegen die „bösen“ Bakterien vorzugehen. Beides sind Vorgänge die nicht nur bei Neugeborenen passieren, sondern bei jedem Menschen Tag für Tag.

Was kann das Darmmikrobiom belasten?

MEDIKAMENTE & THERAPIEN

  • Antibiotika
  • Chemo- und Strahlentherapie

ERNÄHRUNG & LEBENSSTIL

  • Zucker, Alkohol
  • Konservierungsstoffe
  • Stress
  • Nicht erkannte Unverträglichkeiten

WEITERE FAKTOREN

  • Kaiserschnitt
  • Fehlende Stillzeit
  • Pestizide, Toxine

Nicht immer lassen sich diese Dinge vermeiden bzw. nicht immer haben wir Einfluss auf sie. Umso wichtiger ist es, dem Darm die nötige Aufmerksamkeit zu schenken – bevor aus kleinen Ungleichgewichten größere werden. Eine Darmsanierung kann hier helfen.

Welche Beschwerden können mit dem Darm zusammenhängen?

Ein gestörtes Darmmilieu kann mit einer Vielzahl von Beschwerden in Zusammenhang stehen. Aus meiner Praxiserfahrung lohnt es sich, den Darm immer dann in die Diagnostik einzubeziehen, wenn folgende Symptome auftreten:

VERDAUUNG

  • Blähungen, Krämpfe
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Reizdarm
  • Mundgeruch

IMMUNSYSTEM & HAUT

  • Infektanfälligkeit
  • Allergien, Heuschnupfen
  • Neurodermitis, Akne
  • Juckreiz, Hautpilz

ALLGEMEINBEFINDEN

  • Erschöpfung, Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwäche
  • Benommenheit
  • Nährstoffmangel

Diese Liste ist nicht abschließend – und nicht jede dieser Beschwerden muss ihre Ursache im Darm haben. Aber es lohnt sich, diesen Zusammenhang zu überprüfen.

Bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Zöliakie empfehle ich grundsätzlich die ärztliche Begleitung. Eine ergänzende naturheilkundliche Betreuung besprechen wir im Einzelfall.

Das Bauchhirn

Besonders faszinierend ist das sogenannte enterische Nervensystem – unser „Bauchhirn“. Es besteht aus denselben Nervenzelltypen wie unser Gehirn und arbeitet weitgehend eigenständig, unabhängig vom zentralen Nervensystem. Das bedeutet jedoch nicht, dass beide Systeme nichts miteinander zu tun haben – im Gegenteil: Sie stehen in einem ständigen, lebhaften Austausch, und zwar in beide Richtungen.

Was uns im Bauch belastet, beeinflusst unsere Gedanken und unser Gemüt – und umgekehrt. Dazu kommt: Etwa 90 % des Serotonins, eines zentralen Botenstoffs für unser emotionales Wohlbefinden, werden im Darm gebildet. Das Wort „Bauchgefühl“ bekommt damit eine ganz neue Dimension. Bei einer Darmsanierung berücksichtige ich deshalb stets auch diese enge Verbindung zwischen Darm und Nervensystem.

Wie läuft eine Darmsanierung ab?

Eine Darmsanierung ist ein naturheilkundlicher Prozess, der darauf abzielt, das Darmmikrobiom und die Darmschleimhaut gezielt zu unterstützen und ins Gleichgewicht zu bringen. Am Anfang steht immer ein ausführliches Anamnesegespräch: Ich frage nach Ihren Symptomen, Vorerkrankungen, Ernährungsgewohnheiten und Lebenssituation. Daraus ergibt sich der individuelle Behandlungsweg.

Je nach Beschwerdebild kann es sinnvoll sein, zunächst Nahrungsmittelunverträglichkeiten auszuschließen oder Ernährungsgewohnheiten anzupassen. In manchen Fällen empfehle ich eine Stuhlanalyse – ich arbeite dafür mit dem Labor GanzImmun in Mainz zusammen. Diese Analyse gibt u.a. Aufschluss über die Zusammensetzung der Darmflora, den Zustand der Darmschleimhaut und die Funktion der Verdauungssäfte.

Auf Basis des Befunds stelle ich einen individuellen Therapieplan zusammen. Dieser kann die Einnahme von Probiotika (das sind „gute“ Bakterien; von griechisch pro bios = „für das Leben“), eine Ernährungsumstellung sowie den Einsatz von Heilkräutern oder Antipilz-Präparaten umfassen. Eine Darmsanierung ist ein Prozess, der einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen kann. Wie er sich individuell entwickelt, ist von Person zu Person verschieden. Wichtig ist aber: Darm dauert. Sie müssen sich und ihrem Darm Zeit geben für die Umstellung und Regeneration.

Wenn der Bauch zur Ruhe kommen darf“

Ergänzend hat es sich in der Praxis oft bewährt, parallel an der Entspannung des enterischen Nervensystems (unserem „Bauchhirn“) zu arbeiten – denn auch die Präparate können ihre Wirkung besser entfalten, wenn das Nervensystem nicht dauerhaft unter Anspannung steht. Hierfür setze ich unter anderem Körpertherapie und Akupunktur ein.

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WEITERFÜHRENDES

Dokumentation: Der kluge Bauch – unser zweites Gehirn (ARTE)

Buchtipp: Darm mit Charme – Giulia Enders

Blogbeitrag: Allergie aus naturheilkundlicher Sicht

Clarissa Jung-Heiliger-Ihre Heilpraktiker in aus Köln

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